Spanien bei der WM 2026 – La Roja und die neue Generation
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Berlin, 14. Juli 2024. Spanien zerlegt England im EM-Finale mit der Eleganz eines Matadors, der seinen Stier bändigt. Nico Williams eröffnet in der 47. Minute, Oyarzabal vollendet in der 86., dazwischen liegt eine Stunde spanischer Dominanz, die an die besten Zeiten von Tiki-Taka erinnert – und doch völlig anders ist. Schneller, direkter, tödlicher. Der Ball rollt nicht mehr ewig, er wird zum Gegner transportiert, mit Absicht, mit Gefahr. La Roja hat sich neu erfunden, vor den Augen einer staunenden Welt, und die Botschaft war klar: Spanien ist zurück.
Was diese spanische Generation so besonders macht, ist ihre Jugend gepaart mit einer Reife, die man selten sieht. Bei der EM 2024 hatten die wichtigsten Spieler – Yamal, Williams, Pedri, Gavi – ein Durchschnittsalter von knapp 21 Jahren. Sie spielten mit einer Freiheit, die älteren Mannschaften oft fehlt, ohne Angst vor dem Scheitern, ohne das Gewicht vergangener Niederlagen, ohne die Verkrampfung, die so viele große Nationen in entscheidenden Momenten befällt. Lamine Yamal war 16, als er englische Verteidiger schwindelig spielte, der jüngste Spieler, der je ein EM-Finale bestritten hat. Nico Williams war 21, als er das Finale eröffnete, als er Trent Alexander-Arnold in der Defensive verzweifeln ließ. Diese Spieler haben ihre besten Jahre noch vor sich – und bei der WM 2026 werden sie noch besser, noch reifer, noch gefährlicher sein.
Zwei Jahre später reist diese Mannschaft zur WM 2026 als Europameister, als eines der heißesten Teams des Turniers, als Beweis dafür, dass Spaniens Fußballphilosophie noch lange nicht am Ende ist. Die Evolution, die bei der EM begann, hat sich fortgesetzt. Die Spieler sind gewachsen, bei ihren Vereinen und in der Nationalmannschaft. Die Automatismen sind noch geschliffener, das Selbstvertrauen noch größer. Spanien kommt nicht als Geheimfavorit – Spanien kommt als Team, das weiß, dass es jeden schlagen kann.
Die Buchmacher sehen Spanien als ernsthaften Titelkandidaten. Mit Quoten zwischen 8.00 und 10.00 liegt La Roja hinter Frankreich, Argentinien und England, aber vor traditionellen Mächten wie Brasilien und Deutschland. Diese Einschätzung spiegelt sowohl den EM-Triumph als auch eine gewisse Skepsis wider: Kann eine so junge Mannschaft auch bei einer WM den Druck standhalten? Kann sie 39 Tage lang, über bis zu sieben Spiele, die Intensität halten? Ich glaube ja – und ich werde erklären, warum.
Nach der EM 2024: Spaniens Wiedergeburt
Spanien hatte eine Dekade der Durststrecke hinter sich, eine Dekade, die nach den goldenen Jahren 2008-2012 besonders schmerzhaft war. Nach dem WM-Titel 2010 und den EM-Siegen 2008 und 2012 folgte eine Korrektur, die manche als Zusammenbruch bezeichneten: WM 2014 Gruppenaus gegen Chile und die Niederlande, EM 2016 Achtelfinale gegen Italien, WM 2018 Achtelfinale gegen Russland im Elfmeterschießen, WM 2022 Achtelfinale gegen Marokko – wieder im Elfmeterschießen. Die Mannschaft war gut, manchmal sogar sehr gut, aber nicht mehr dominant. Tiki-Taka wurde von Gegnern entschlüsselt, die Ballbesitz-Philosophie führte zu sterilem Fußball ohne Durchschlagskraft, zu 70% Ballbesitz und null Torchancen. Spanien brauchte eine Evolution – und mit Luis de la Fuente und einer neuen Generation kam sie.
De la Fuente, der zuvor die U21-Mannschaft zum EM-Titel geführt hatte, übernahm im Dezember 2022 und veränderte die Spielweise subtil, aber entscheidend. Der Ballbesitz blieb wichtig – Spanien wird nie eine Mannschaft sein, die lange Bälle schlägt – aber er wurde nicht mehr Selbstzweck. Spanien spielte direkter, nutzte die Geschwindigkeit der Flügelspieler, suchte vertikale Pässe statt endloser Querverbindungen, die nirgendwohin führten. Das Pressing wurde intensiver, aggressiver, die Konter gefährlicher. Bei der EM 2024 gewann Spanien alle sieben Spiele – als einzige Mannschaft des Turniers. Gegen Deutschland im Viertelfinale, gegen Frankreich im Halbfinale, gegen England im Finale: drei Siege gegen drei der besten Teams der Welt, drei Siege, die jeden Zweifel ausräumten.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die mentale Stärke dieser jungen Mannschaft. Gegen Deutschland im Viertelfinale lag Spanien bis zur 89. Minute zurück, die Uhr tickte, das Ausscheiden drohte. Dann der Ausgleich durch Florian Wirtz, Verlängerung, und in der 119. Minute traf Mikel Merino per Kopf. Spanien hatte nicht aufgegeben, hatte weitergekämpft, hatte an sich geglaubt. Gegen Frankreich im Halbfinale musste die Defensive gegen Mbappé standhalten, gegen den schnellsten Spieler der Welt, der auf alles schoss, was sich bewegte – und sie hielten, mit Disziplin, mit Mut, mit kollektiver Stärke. Im Finale gegen England gab es Phasen, in denen die Three Lions drückten, in denen das Momentum zu kippen drohte – Spanien blieb ruhig, blieb bei seinem Plan, kontrollierte das Spiel. Diese Reife in so jungen Jahren ist außergewöhnlich. Sie lässt auf Großes hoffen, auf einen tiefen WM-Lauf, vielleicht auf den Titel.
La Roja 2026: Jung, hungrig, talentiert
Der spanische Kader für die WM 2026 wird geprägt sein von Spielern, die ihre Karriere gerade erst begonnen haben – und doch schon Weltklasse sind. Die Mischung aus Jugend und Erfahrung, die De la Fuente bei der EM fand, wird auch in Nordamerika die Grundlage sein. Nur ist die Jugend inzwischen zwei Jahre erfahrener, gereifter, ohne ihre Frische verloren zu haben. Das ist die perfekte Kombination.
Im Tor hat sich Unai Simón als Nummer eins etabliert, eine Position, die lange Spaniens Schwachstelle war. Der Athletic-Bilbao-Keeper hatte bei der EM 2021 noch mit Fehlern zu kämpfen, sein Patzer gegen Kroatien im Achtelfinale ist unvergessen. Aber er ist seitdem gewachsen, hat an seiner Konzentration gearbeitet, an seiner Ausstrahlung. Seine Reflexe sind exzellent, sein Fußspiel für den Spielaufbau unverzichtbar – bei einem Team, das von hinten heraus spielen will, ist ein spielstarker Keeper Pflicht. Mit David Raya von Arsenal als starkem Backup ist die Torwartposition so gut besetzt wie seit Casillas nicht mehr.
Die Abwehr kombiniert Erfahrung mit Jugend auf ideale Weise. Aymeric Laporte bringt internationale Klasse, auch wenn er mittlerweile für Al-Nassr in Saudi-Arabien spielt – die Qualität bleibt. Seine Zeit bei Manchester City hat ihn zum kompletten Verteidiger geformt, der unter Druck Ruhe ausstrahlt. Robin Le Normand von Real Sociedad hat sich als zuverlässiger Partner bewährt, ein Arbeiter, der die Drecksarbeit erledigt, während Laporte den Ball verteilt. Die Außenverteidiger – Dani Carvajal rechts, Alejandro Grimaldo oder Marc Cucurella links – bieten offensive Durchschlagskraft bei defensiver Solidität. Carvajal, mittlerweile 34, bringt unbezahlbare Erfahrung aus unzähligen Champions-League-Finals mit Real Madrid. Seine Verletzung Ende 2024 war ein Schock, aber er hat sich zurückgekämpft.
Das Mittelfeld ist Spaniens Herzstück, wie eh und je, wie seit Xavi und Iniesta. Rodri Hernández, Ballon-d’Or-Gewinner 2024, ist das Metronom, der Spieler, der den Rhythmus bestimmt, der weiß, wann zu beschleunigen und wann zu bremsen. Seine Kreuzband-Verletzung in der Saison 2024/25 war ein Schock für ganz Spanien, aber er ist rechtzeitig zur WM fit geworden, vielleicht stärker als zuvor, mit noch mehr Hunger. Neben ihm tanzen Pedri und Gavi – die Barcelona-Zwillinge, die das Spiel mit Intuition und Technik kontrollieren, die Gedanken lesen können. Pedri ist der elegantere, der Ballstreichler, der Spieler, der den Ball streichelt wie einen Freund. Gavi ist Intensität und Kampfgeist, der Antreiber, der niemals aufgibt. Dazu kommt Fermín López, der junge Stern, der bei der EM aufblitzte und seitdem bei Barcelona explodiert ist.
Der Angriff ist schnell, unberechenbar und tödlich – eine Waffe, die jeden Gegner in Angst versetzt. Lamine Yamal, mit 18 Jahren bereits einer der besten Spieler der Welt, besetzt den rechten Flügel. Seine Dribblings sind atemberaubend, seine Pässe öffnen Räume, sein Timing erschreckend reif für sein Alter – all das erinnert an einen jungen Messi, auch wenn Vergleiche unfair sind. Yamal ist Yamal, einzigartig, unerreicht in seiner Altersklasse. Auf der linken Seite terrorisiert Nico Williams die Verteidiger mit seiner Geschwindigkeit und Direktheit, mit Antritten, die physikalisch unmöglich erscheinen. Seine Athletik ist außergewöhnlich, seine Entschlossenheit ungebrochen. Álvaro Morata, trotz aller Kritik, die ihn seit Jahren begleitet, liefert als Mittelstürmer die Tore, wenn sie gebraucht werden. Er ist kein eleganter Stürmer, aber er ist effektiv, ein Arbeiter, der im Strafraum die richtigen Positionen findet. Mit Mikel Oyarzabal und Ferran Torres stehen weitere Optionen bereit, Spieler, die von der Bank kommen und Spiele entscheiden können.
Pedri, Yamal und die Barcelona-Verbindung
Die Verbindung zwischen Spaniens Nationalmannschaft und dem FC Barcelona ist historisch, tief verwurzelt in Jahrzehnten gemeinsamer Philosophie, und sie bleibt stark. Pedri, Gavi, Yamal, Fermín López – vier Schlüsselspieler kommen aus La Masia, Barcelonas legendärer Jugendakademie, vier Spieler, die dieselbe Fußballsprache sprechen, dieselben Automatismen verinnerlicht haben, die wissen, wo der andere sein wird, bevor er dort ist. Diese Vertrautheit ist ein Vorteil, den andere Nationen nicht haben, ein Geheimnis, das Spanien seit Jahren stark macht.
Pedri ist mit 23 Jahren das Gehirn des spanischen Spiels. Seine Fähigkeit, den Ball unter Druck zu behaupten, seinen Mitspielern Zeit zu verschaffen, das Tempo zu variieren – all das macht ihn unverzichtbar. Seine Verletzungsprobleme der vergangenen Jahre scheinen überwunden, und ein fitter Pedri ist einer der besten Mittelfeldspieler der Welt.
Lamine Yamal ist das Phänomen. Ein Teenager, der gegen erwachsene Weltklassespieler so agiert, als wäre es ein Spiel unter Freunden. Sein linker Fuß ist magisch, seine Entscheidungsfindung erschreckend reif für sein Alter. Bei der WM 2026 wird er 18 sein – ein Alter, in dem Pelé und Mbappé ihre ersten großen Turniere prägten. Die Erwartungen sind enorm, aber Yamal scheint sie zu genießen.
Die Barcelona-Verbindung birgt auch ein Risiko: Wenn Barcelona eine schlechte Saison spielt, könnte das auf die Nationalmannschaft abfärben. Doch bisher hat De la Fuente es geschafft, die Klubprobleme draußen zu halten. Bei der Nationalmannschaft funktionieren die Spieler, die bei Barcelona manchmal straucheln. Das spricht für die Atmosphäre, die De la Fuente geschaffen hat.
Gruppe H: Spanien gegen Uruguay, Saudi-Arabien und Kap Verde
Spanien wurde in Gruppe H gelost, eine Gruppe, die keine großen Überraschungen bergen sollte – aber der Fußball lehrt uns, dass Überraschungen immer möglich sind. Uruguay ist der stärkste Gegner und wird ein ernsthafter Test. Saudi-Arabien bringt Erinnerungen an die WM 2022 mit, als sie Argentinien besiegten und die Welt schockierten. Kap Verde ist ein WM-Debütant, eine kleine Inselnation, die Geschichte schreibt. Für La Roja ist die Gruppenphase eine Gelegenheit, Rhythmus zu finden, Kräfte zu sparen und das Turnier ohne Stress zu beginnen.
Uruguay ist der Gegner, der die meiste Vorbereitung erfordert. Die Céleste hat unter Marcelo Bielsa eine Transformation durchlaufen, mit intensivem Pressing und einer Aggressivität, die typisch für den argentinischen Trainer ist. Darwin Núñez führt den Angriff an, ein Stürmer, der bei Liverpool nicht immer konstant ist, aber bei der Nationalmannschaft regelmäßig liefert. Federico Valverde ist das Herz des Mittelfelds, ein Spieler, der bei Real Madrid zu einem der besten der Welt gereift ist. Ronald Araújo bringt Stabilität in die Defensive. Für Spanien wird es ein Test der taktischen Anpassung – Bielsa wird einen Plan haben, und De la Fuente muss eine Antwort finden.
Saudi-Arabien ist der Gegner mit dem historischen Skalp. Bei der WM 2022 in Katar besiegten sie Argentinien 2:1 in der Gruppenphase, eines der größten Upsets der WM-Geschichte. Die Spieler dieser Mannschaft sind zu Nationalhelden geworden, und einige sind immer noch im Kader. Die saudi-arabische Liga hat durch Investitionen an Qualität gewonnen, auch wenn die Nationalmannschaft davon nur bedingt profitiert hat. Spanien wird gewarnt sein – Überheblichkeit wäre ein Fehler, den La Roja nicht begehen wird.
Kap Verde ist der Debütant, eine kleine Inselnation mit etwa 500.000 Einwohnern, die Geschichte schreibt, indem sie überhaupt dabei ist. Die Spieler kommen größtenteils aus europäischen Ligen, viele haben Verbindungen zu Portugal durch die koloniale Geschichte. Für Spanien ist dieses Spiel eine Gelegenheit zu rotieren, Reservisten einzusetzen, die Stammkräfte zu schonen. Ein klarer Sieg sollte selbstverständlich sein – aber Respekt vor dem Gegner bleibt Pflicht.
Der erwartete Verlauf: Spanien gewinnt alle drei Gruppenspiele, trifft mindestens acht Tore und kassiert höchstens eines. Das Achtelfinale bringt dann einen Drittplatzierten aus einer anderen Gruppe – möglicherweise Japan, Türkei oder ein Team, das in der Vorrunde strauchelte. Der einfachere Teil des Brackets könnte Spanien bis ins Finale tragen.
Zurück an die Spitze? Meine Einschätzung
Spanien hat bei der WM 2026 alle Zutaten für einen tiefen Lauf – vielleicht sogar für den Titel, der seit 2010 fehlt. Der EM-Triumph 2024 hat bewiesen, dass diese Mannschaft große Turniere gewinnen kann, dass sie unter Druck funktioniert, dass sie in entscheidenden Momenten liefert. Die Spieler sind jung genug, um noch zu wachsen, aber erfahren genug, um den Druck zu kennen. De la Fuente hat ein System etabliert, das funktioniert, und einen Teamgeist geschaffen, der trägt – eine Atmosphäre, in der jeder für den anderen kämpft.
Was für Spanien spricht: Die Jugend, die Qualität, die Turniererfahrung trotz des jungen Alters. Klingt paradox, ist es aber nicht – diese Spieler haben mehr große Spiele bestritten als manche 30-Jährige. Der Europameister-Titel gibt Selbstvertrauen, ohne die Mannschaft zu sättigen – diese Spieler wollen mehr, wollen den WM-Titel, der für viele der ultimative Traum ist. Das System ist eingespielt, die Hierarchie klar, die Atmosphäre positiv. Spanien ist das Team, das am meisten Spaß am Spielen zu haben scheint, das mit einem Lächeln aufläuft, das den Fußball als Spiel begreift, nicht als Kampf. Und das überträgt sich auf die Leistung.
Was gegen Spanien spricht: Die WM ist ein anderes Turnier als eine EM. 39 Tage statt vier Wochen, bis zu sieben Spiele statt sechs, Gegner aus allen Kontinenten statt nur aus Europa. Südamerikanische Teams spielen anders als europäische – physischer, taktisch flexibler, mit anderen Spielweisen. Afrikanische Teams bringen Athletik und Unberechenbarkeit. Die Anpassungsfähigkeit wird getestet. Und dann ist da die Frage der Konstanz über ein längeres Turnier – kann eine so junge Mannschaft die Intensität halten, wenn die Beine schwer werden, wenn die Müdigkeit einsetzt?
Meine Prognose: Spanien erreicht mindestens das Viertelfinale, wahrscheinlich das Halbfinale. Der Titel ist möglich, vor allem wenn der Turnierweg günstig verläuft und die Schlüsselspieler fit bleiben. Eine Quote von 9.00 auf Spanien als Weltmeister bietet Value für alle, die an die neue Generation glauben, die glauben, dass diese Spieler das Zeug haben, Geschichte zu schreiben. „Spanien erreicht das Finale“ zu 4.00 ist attraktiv, angesichts der Qualität und des EM-Selbstvertrauens. Wer auf einzelne Spieler setzen will: Lamine Yamal als bester junger Spieler des Turniers zu 6.00 ist verlockend. Alle WM-Teams und ihre Chancen findest du im großen Teamüberblick zur WM 2026.
