Belgien bei der WM 2026 – Die letzte Chance der goldenen Generation?
Sportvorhersagen
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Es war einmal eine goldene Generation, die schönste, die Belgien je gesehen hat. Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku, Eden Hazard, Thibaut Courtois, Jan Vertonghen, Toby Alderweireld – Namen, die den belgischen Fußball über ein Jahrzehnt dominierten, die Belgien zur Nummer eins der FIFA-Weltrangliste führten, die Träume von einem großen Titel weckten, die ein ganzes Land in Euphorie versetzten. Doch die Träume blieben unerfüllt, die Titel blieben aus, das Happy End kam nie. WM 2014 Viertelfinale gegen Argentinien, EM 2016 Viertelfinale gegen Wales, WM 2018 Dritter Platz nach der Niederlage gegen Frankreich, EM 2021 Viertelfinale gegen Italien, WM 2022 Gruppenaus – eine Schande. Die Geschichte der belgischen goldenen Generation ist eine Geschichte des Beinahe, des Scheiterns an der letzten Hürde, des Talents, das nie in einen Titel umgemünzt wurde.
Bei der WM 2026 wird diese Generation ihren letzten Tanz aufführen, wenn sie überhaupt noch tanzen kann. Kevin De Bruyne wird 35 sein, Romelu Lukaku 33, Thibaut Courtois 34. Wenn sie überhaupt noch dabei sind – und das ist keineswegs sicher, angesichts der Verletzungen und der Formschwankungen – werden ihre Körper nicht mehr die von 2018 sein, als Belgien in Russland die Welt verzauberte und nur am späteren Weltmeister Frankreich scheiterte. Die Frage, die über allem schwebt, die Frage, die niemand beantworten kann: Kann Belgien den Generationenwechsel meistern und trotzdem konkurrenzfähig bleiben? Oder ist die WM 2026 das letzte Kapitel einer Geschichte, die ohne Happy End bleibt, ohne den Titel, den diese Generation verdient hätte?
Die Buchmacher sind skeptisch, skeptischer als je zuvor. Mit Quoten zwischen 25.00 und 35.00 liegt Belgien weit hinter den Favoriten, ein dramatischer Absturz für ein Team, das vor wenigen Jahren noch zu den Top-Drei der Welt gezählt wurde, das jahrelang die Weltrangliste anführte. Diese Einschätzung spiegelt die harte Realität wider: Die goldene Generation verblasst, und was danach kommt, ist ungewiss, ist Hoffnung ohne Garantie.
Der letzte Tanz? Belgiens goldene Generation altert
Die belgische goldene Generation hatte ihr Zeitfenster, ein Fenster, das sich öffnete und wieder schloss. Es öffnete sich um 2014, als die Talente reiften, als Hazard, De Bruyne und Lukaku ihre besten Jahre begannen, als Belgien plötzlich zu den Favoriten zählte. Es schloss sich langsam nach 2018, als die Bronze-Medaille der WM in Russland den Höhepunkt markierte, den Moment, der so nah am ultimativen Triumph war, aber doch so weit. Seitdem ging es bergab – nicht dramatisch, aber stetig, unaufhaltsam. Bei der WM 2022 in Katar war das Gruppenaus eine Demütigung, ein Zeichen dafür, dass die Zeit abgelaufen war, dass die Magie verschwunden war.
Eden Hazard, einst einer der besten Spieler der Welt, der Spieler, der Chelsea zu Titeln führte und für 100 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte, ist bereits zurückgetreten, zerstört von Verletzungen und der gescheiterten Real-Madrid-Episode, die seine Karriere beendete. Kevin De Bruyne kämpft mit chronischen Verletzungen, sein Körper wehrt sich gegen die Belastungen von zwei Jahrzehnten Profifußball, gegen die Spiele, die Reisen, den Druck. Romelu Lukaku wechselte die Vereine wie andere ihre Schuhe – Inter, Chelsea, Inter, Roma, Napoli – ohne je die Konstanz zu finden, die sein enormes Talent verdient hätte. Die Helden von 2018 sind müde geworden, ausgelaugt von Jahren des Versuchens und Scheiterns.
Trainer Domenico Tedesco, der Deutsche mit italienischen Wurzeln, der nach der EM 2024 übernahm, steht vor einer Herkulesaufgabe. Er muss entscheiden, wie viel von der alten Garde er noch mitnimmt, wie viel Sentimentalität er sich leisten kann, ohne die Mannschaft zu schwächen. De Bruyne ist auch mit 35 noch ein Unterschiedsspieler, ein Spieler, der Pässe sieht, die andere nicht einmal erahnen – wenn er fit ist. Lukaku trifft immer noch, sein Torriecher ist intakt – wenn er in Form ist. Courtois ist noch ein Weltklasse-Keeper, vielleicht der beste der Welt – wenn seine Knie mitmachen, wenn die Kreuzbandverletzung wirklich verheilt ist. Viele Wenns für ein Team, das auf Sicherheiten angewiesen ist, das keine Experimente mehr leisten kann.
Die Roten Teufel 2026: Umbruch oder Kontinuität?
Der belgische Kader für die WM 2026 wird eine Mischung aus Altbekanntem und Neuem sein müssen, eine Balance, die schwer zu finden ist. Die junge Generation ist talentiert, hat bei Topklubs gespielt, aber ihr fehlt die Turniererfahrung, die in K.o.-Spielen unbezahlbar ist. Die alte Generation ist erfahren, kennt den Druck, hat aber müde Beine und fragile Körper. Tedesco muss die Balance finden, die seinen Vorgängern Roberto Martínez und Marc Wilmots verwehrt blieb.
Im Tor bleibt Thibaut Courtois die unbestrittene Nummer eins, wenn – und es ist ein großes Wenn – seine Verletzungen es zulassen. Der Real-Madrid-Keeper ist auch mit 34 noch einer der besten der Welt, seine Reflexe sind außergewöhnlich, sein Stellungsspiel perfekt, seine Ausstrahlung beruhigend für die Vorderleute. Aber seine Kreuzbandverletzung von 2023 und die nachfolgenden Rückschläge haben Fragezeichen hinterlassen. Koen Casteels von Wolfsburg steht als solider Backup bereit, ein erfahrener Keeper, der im Notfall übernehmen kann.
Die Abwehr hat sich verjüngt, hat neue Gesichter bekommen, nachdem Vertonghen und Alderweireld zurückgetreten sind. Wout Faes von Leicester und Zeno Debast von Sporting Lissabon bilden möglicherweise das neue Innenverteidiger-Duo, jung und hungrig, aber ohne die Erfahrung und das Verständnis, das die alten Partner hatten. Timothy Castagne bringt Vielseitigkeit auf beiden Außenpositionen, Arthur Theate solide Qualität. Die Defensive ist nicht mehr die Festung von einst, aber sie ist funktional, wenn alle konzentriert sind.
Das Mittelfeld ist der Bereich, in dem Kevin De Bruynes Präsenz oder Abwesenheit am meisten zu spüren sein wird. Wenn er fit ist und seine Klasse zeigen kann, bleibt er das Hirn des Teams, der Spieler, der Pässe sieht, die andere nicht einmal erahnen, der Spiele mit einem einzigen Pass entscheiden kann. Amadou Onana von Everton bringt Physis und Dynamik, ist der Motor, der das Mittelfeld antreibt. Youri Tielemans bringt Erfahrung aus der Premier League und Torgefahr aus der zweiten Reihe. Leandro Trossard von Arsenal ist vielseitig einsetzbar, kann im Mittelfeld oder auf dem Flügel spielen. Die Tiefe ist ordentlich, auch wenn der überragende Spielmacher – außer De Bruyne – fehlt.
Der Angriff hängt an Romelu Lukaku. Mit 33 Jahren ist er nicht mehr der explosive Stürmer von einst, aber sein Torriecher bleibt intakt. Loïs Openda von RB Leipzig ist die Zukunft, schnell und torgefährlich. Jérémy Doku von Manchester City bringt Kreativität über die Flügel. Charles De Ketelaere hat sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft, aber die Hoffnung bleibt.
De Bruyne, Lukaku – wer führt noch?
Kevin De Bruyne ist das Herz dieser Mannschaft, der Spieler, der den Unterschied macht, wenn er auf dem Platz steht. Seine Pässe sind Kunstwerke, seine Schüsse aus der Distanz gefürchtet, seine Führungsqualitäten unbestritten. Doch seine Verletzungsanfälligkeit ist besorgniserregend. Muskelverletzungen, Leistenbeschwerden, Ermüdungserscheinungen – sein Körper sendet Signale, die nicht ignoriert werden können. Ob er 90 Minuten, sieben Spiele, 39 Tage durchhält, ist fraglich.
Romelu Lukaku bleibt Belgiens Torgarant, auch wenn seine Karriere zuletzt von Klubwechseln und Formschwankungen geprägt war. Bei der Nationalmannschaft trifft er konstanter als bei seinen Vereinen, eine merkwürdige Diskrepanz, die niemand vollständig erklären kann. Sein Torriecher im Strafraum ist intakt, seine physische Präsenz eine Waffe bei Standards. Belgien braucht seine Tore, auch wenn er nicht mehr der Spieler von 2018 ist.
Die Führung muss sich auf jüngere Schultern verteilen. Trossard, Onana, Doku – sie müssen in die Rollen wachsen, die De Bruyne und Lukaku nicht mehr allein ausfüllen können. Ob sie bereit sind, wird sich zeigen.
Gruppe G: Belgien gegen Iran, Ägypten und Neuseeland
Belgien wurde in Gruppe G gelost, eine Gruppe, die auf dem Papier machbar aussieht, aber Respekt erfordert und nicht unterschätzt werden darf. Iran bringt Erfahrung aus zwei WM-Teilnahmen und eine Mannschaft, die gegen jeden kämpfen kann. Ägypten bringt afrikanische Qualität mit Mohamed Salah, einem der besten Spieler der Welt. Neuseeland ist der klare Außenseiter, aber auch Außenseiter können stolpern lassen. Für die Roten Teufel ist das Weiterkommen Pflicht – alles andere wäre ein Desaster, eine Wiederholung des Katar-Fiaskos von 2022.
Iran ist ein Gegner mit taktischer Disziplin, einem erfahrenen Trainer und einer Mannschaft, die weiß, wie man gegen europäische Teams bestehen kann. Bei der WM 2022 verloren sie gegen die USA knapp, lieferten England aber einen echten Kampf und führten zwischenzeitlich sogar. Die iranische Diaspora in Nordamerika wird für Unterstützung sorgen, das Stadion wird nicht neutral sein. Belgien muss geduldig sein, muss das Spiel kontrollieren, darf sich nicht provozieren lassen.
Ägypten bringt mit Mohamed Salah einen Weltklassespieler, der Spiele allein entscheiden kann, einen Spieler, dessen Geschwindigkeit und Abschluss jeden Verteidiger in Angst versetzen. Die Pharaonen haben sich für ihre erste WM seit 2018 qualifiziert und kommen mit Selbstvertrauen aus der afrikanischen Qualifikation. Für Belgien ist dies der große Test der Gruppenphase: Kann die Defensive Salah stoppen? Kann Courtois – falls fit – den Liverpool-Star neutralisieren? Dieses Spiel wird zeigen, wie viel von Belgien noch übrig ist.
Neuseeland ist der Außenseiter der Gruppe, ein Team, das über die Ozeanien-Qualifikation kam und gegen die europäische und afrikanische Qualität bestehen muss. Die All Whites, wie sie genannt werden, haben einige Spieler in europäischen Ligen, aber das Gesamtniveau reicht nicht an die anderen Gruppen-Teams heran. Belgien sollte dieses Spiel klar gewinnen, aber Pflichtaufgaben bergen Tücken, und Überheblichkeit wurde schon oft bestraft.
Letzte WM-Chance für den Titel?
Kann Belgien bei der WM 2026 noch überraschen, noch einmal zeigen, was diese Generation einst konnte? Meine Antwort ist skeptisch, ehrlich gesagt: Die goldene Generation ist verblasst, der Umbruch noch nicht abgeschlossen, die Konkurrenz zu stark. Ein Viertelfinale wäre ein Erfolg, ein Halbfinale eine Sensation, der Titel ein Wunder. Aber Wunder passieren im Fußball, und Belgien hat die Erfahrung und die Qualität, um an einem guten Tag jeden zu schlagen.
Was für Belgien spricht: De Bruyne und Lukaku, wenn fit und in Form, sind immer noch Unterschiedsspieler, Spieler, die Momente der Brillanz produzieren können. Die junge Generation um Doku, Openda und Onana hat Talent und Hunger. Tedesco ist ein taktisch versierter Trainer, der bei Schalke und Leipzig bewiesen hat, dass er Mannschaften formen kann. Was dagegen spricht: Die Verletzungsanfälligkeit der Stars, die chronischen Probleme von De Bruyne und Courtois, die fehlende Turniererfahrung der jungen Spieler, die psychologische Last des bisherigen Scheiterns, die Frage, ob die Mannschaft noch an sich glaubt.
Der Turnierweg wird entscheidend sein. Wenn Belgien als Gruppensieger weiterkommt, könnte ein gnädiges Bracket sie ins Viertelfinale tragen. Dort würde dann wahrscheinlich eine der großen Nationen warten – Frankreich, Argentinien, England. An diesem Punkt müsste Belgien beweisen, dass sie noch auf höchstem Niveau bestehen können. Die Geschichte spricht dagegen, aber die Geschichte muss nicht die Zukunft bestimmen.
Meine Einschätzung: Eine Quote von 30.00 auf Belgien als Weltmeister ist hochspekulativ, ein Wetteinsatz für Nostalgiker, die an einen letzten großen Auftritt der goldenen Generation glauben, die glauben, dass De Bruyne noch einmal zaubern kann. „Belgien erreicht das Viertelfinale“ zu 3.50 ist realistischer, ein Wert für alle, die glauben, dass die Erfahrung genügt, um die Gruppenphase und das Achtelfinale zu überstehen. Alle Teams findest du im Teamüberblick zur WM 2026.
