Portugal bei der WM 2026 – Die Seleção das Quinas nach Ronaldo
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Die Frage schwebt über allem, in jeder Pressekonferenz, in jedem Interview, in jedem Artikel: Was kommt nach Cristiano Ronaldo? Seit fast zwei Jahrzehnten hat der erfolgreichste Torschütze der Länderspielgeschichte die portugiesische Nationalmannschaft geprägt, getragen, definiert – manchmal auch belastet. Er war das Gesicht der Seleção, der unumstrittene Star, der Mann, um den sich alles drehte. Bei der WM 2026 wird er 41 Jahre alt sein, und selbst wenn er noch nominiert wird – was keineswegs sicher ist – wird seine Rolle eine andere sein müssen. Portugal steht vor einem Umbruch, vor der schwierigen Aufgabe, eine neue Identität zu finden, ohne den Mann, der so lange alles war.
Doch hier ist die gute Nachricht, die viele übersehen: Portugal hat das Talent für diese Transition, hat die Spieler, die diesen Wandel tragen können. Die Generation nach Ronaldo ist nicht schwächer – sie ist vielleicht sogar stärker, vielseitiger, moderner. Rafael Leão, Bruno Fernandes, Bernardo Silva, João Félix, Vitinha – diese Namen stehen für Qualität auf Weltklasseniveau, für Spieler, die bei Europas Topklubs die Differenz machen. Die Mannschaft, die Roberto Martínez seit 2023 formt, spielt modernen, attraktiven Fußball, der nicht mehr von einem einzelnen Spieler abhängig ist. Die Abhängigkeit von Ronaldos Toren wurde durch kollektive Stärke ersetzt, durch ein System, das mehrere Torschützen produziert.
Die Buchmacher sehen Portugal im oberen Mittelfeld der Favoriten. Mit Quoten zwischen 12.00 und 15.00 liegt die Seleção hinter den großen Fünf – Frankreich, Argentinien, England, Spanien, Brasilien – aber vor vielen anderen Nationen mit großer Tradition. Diese Einschätzung ist fair, vielleicht sogar etwas konservativ: Portugal kann jeden schlagen, an guten Tagen auch die absoluten Topteams. Aber die Konstanz über ein ganzes Turnier, über 39 Tage, über bis zu sieben Spiele, bleibt die Frage, die niemand mit Sicherheit beantworten kann.
Nach Ronaldo: Portugals Neuanfang
Cristiano Ronaldo wird bei der WM 2026 dabei sein, das ist meine Erwartung. Roberto Martínez hat signalisiert, dass er den Kapitän respektiert, dass seine Erfahrung wertvoll ist, dass sein Einfluss auf die Kabine unbezahlbar bleibt. Ronaldo hat 900 Karrieretore erzielt, er ist eine lebende Legende, und kein Trainer würde ihn leichtfertig zu Hause lassen. Aber Ronaldos Rolle wird sich verändern müssen, ob er das will oder nicht. Er kann nicht mehr 90 Minuten spielen, nicht mehr jedes Spiel beginnen, nicht mehr der unumstrittene Star sein, der den Ball fordert und alle anderen zu Zulieferern degradiert. Die Frage ist, ob er das akzeptieren kann – und ob die Mannschaft ohne ihn in der Startelf tatsächlich besser funktioniert, wie manche glauben.
Die Zeichen deuten auf einen sanften Übergang hin, auf eine Evolution statt Revolution. Bei der EM 2024 spielte Ronaldo noch jedes Spiel, traf aber nicht aus dem Spiel heraus – seine Tore kamen nur vom Elfmeterpunkt. Im Achtelfinale gegen Slowenien verschoss er einen Elfmeter in der Verlängerung und weinte auf dem Platz, offene Tränen, die um die Welt gingen. Es war ein Moment, der die Endlichkeit zeigte, die Verletzlichkeit eines Spielers, der sich selbst für unsterblich hielt. Portugal gewann das Spiel trotzdem im Elfmeterschießen, aber die Botschaft war klar: Diese Mannschaft kann auch ohne seine Tore gewinnen, kann funktionieren, wenn Ronaldo nicht trifft.
Roberto Martínez hat eine neue Spielidee implementiert, eine, die nicht mehr auf einen Superstar ausgerichtet ist. Unter dem früheren Spanien- und Belgien-Trainer spielt Portugal mit mehr Ballbesitz, mehr Geduld, mehr taktischer Flexibilität. Die Defensive ist stabiler geworden, koordinierter, weniger anfällig für Konter. Das Pressing ist aggressiver, das Umschalten schneller. Die Flügelspieler haben mehr Freiheit, Rafael Leão kann seine Stärken ausspielen, ohne auf eine zentrale Figur warten zu müssen. Das System ist nicht mehr auf einen einzelnen Torjäger ausgerichtet, sondern auf kollektive Gefahr aus allen Positionen.
Der Kader 2026: Talent in Hülle und Fülle
Portugals Kader für die WM 2026 ist gespickt mit Spielern, die bei Europas Topklubs die Hauptrollen spielen, die Woche für Woche in der Champions League, der Premier League, der Serie A ihr Können zeigen. Die Tiefe ist beeindruckend, die Qualität in jeder Linie hoch. Wenn Martínez seinen 26-Mann-Kader nominiert, werden einige gute Spieler zu Hause bleiben müssen – ein Luxusproblem, das viele Nationen nicht kennen, das aber auch interne Spannungen erzeugen kann.
Im Tor hat Diogo Costa sich als Nummer eins etabliert, als würdiger Nachfolger der großen portugiesischen Torhüter-Tradition. Der Porto-Keeper ist jung, talentiert und in großen Spielen zuverlässig. Seine Elfmeterparaden im EM-Achtelfinale 2024 gegen Slowenien – drei Paraden in einem einzigen Elfmeterschießen – zeigten sein Potenzial unter Druck, seine Nervenstärke in den entscheidenden Momenten. Mit Rui Patrício als erfahrenem Backup und José Sá als dritter Option ist die Position so gut besetzt wie lange nicht.
Die Abwehr kombiniert Erfahrung mit aufstrebenden Talenten, Stabilität mit Dynamik. Rúben Dias ist der unumstrittene Anführer der Defensive, ein Weltklasse-Innenverteidiger, der bei Manchester City zum kompletten Spieler gereift ist. Seine Ruhe am Ball, sein Stellungsspiel, seine Führungsqualitäten machen ihn unverzichtbar. Neben ihm kann António Silva von Benfica seine Entwicklung fortsetzen – mit 22 Jahren einer der vielversprechendsten Verteidiger Europas, ein Spieler, der bereits für 100 Millionen Euro gehandelt wurde. Die Außenpositionen sind mit João Cancelo und Nuno Mendes besetzt, zwei Spielern, die offensive Durchschlagskraft mit defensiver Solidität verbinden. Cancelo bringt seine Kreativität aus dem Mittelfeld mit, Mendes seine Explosivität über links.
Das Mittelfeld ist Portugals Stärke, der Bereich, in dem die meiste Qualität konzentriert ist. Bruno Fernandes bringt Kreativität, Torgefahr und unermüdlichen Einsatz aus der Tiefe – seine Freistöße sind gefürchtet, seine Pässe öffnen Räume. Vitinha hat sich bei Paris Saint-Germain zum Weltklasse-Sechser entwickelt, sein Passspiel und seine Spielübersicht sind außergewöhnlich. Bernardo Silva, der Alleskönner von Manchester City, kann im Mittelfeld oder auf dem Flügel spielen und liefert in jeder Position Qualität. Dazu kommen João Palhinha als defensiver Anker und Rúben Neves als erfahrene Alternative – eine Riege, die jede Nation neidisch machen würde.
Der Angriff bietet Optionen für jeden Spielstil. Rafael Leão ist der explosivste Spieler, seine Dribblings und sein Tempo machen ihn zu einem Albtraum für Verteidiger. João Félix hat sein Talent bei Atlético Madrid nicht immer konstant gezeigt, aber in der Nationalmannschaft blüht er oft auf. Diogo Jota und Gonçalo Ramos bieten unterschiedliche Profile als Mittelstürmer – Jota mit seinem Instinkt, Ramos mit seiner Physis. Und dann ist da noch Francisco Conceição, das junge Talent von Juventus, das für Überraschungen gut ist.
Die neuen Führungsspieler
Bruno Fernandes übernimmt zunehmend die Kapitänsrolle, die Verantwortung, die jahrelang auf Ronaldos Schultern lag. Der Manchester-United-Spieler ist ein anderer Typ Anführer – weniger glamourös, aber nicht weniger effektiv. Wo Ronaldo auf Bewunderung setzte, setzt Fernandes auf Respekt durch Leistung. Seine Leidenschaft auf dem Platz, sein Drang, jedes Spiel zu gewinnen, seine Qualität in entscheidenden Momenten machen ihn zum natürlichen Nachfolger. Er ist der Spieler, der den Ball in der 90. Minute haben will, der die Freistöße schießt, der Verantwortung übernimmt, wenn andere sich verstecken.
Rafael Leão ist der Spieler, der Spiele allein entscheiden kann, der X-Faktor, der Unterschiedsspieler. Mit 26 Jahren ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sein Potenzial endlich konstanter abrufbar als in den Jahren zuvor. Bei AC Mailand hat er sich zum Superstar entwickelt, zum Spieler, um den herum das Team aufgebaut wird. Seine Dribblings sind unwiderstehlich, sein linker Fuß tödlich, seine Geschwindigkeit erschreckend. Wenn Leão einen guten Tag hat, kann Portugal jeden schlagen – Frankreich, Argentinien, jeden. Die Herausforderung ist, diesen guten Tag über ein ganzes Turnier zu konservieren, die Konstanz zu finden, die ihm manchmal fehlt.
Bernardo Silva bleibt der stille Star, der Spieler, der das System am Laufen hält, ohne die Schlagzeilen zu dominieren. Seine Arbeit gegen den Ball ist unterschätzt, seine Technik in engen Räumen außergewöhnlich. Bei Manchester City hat er unter Guardiola gelernt, wie man Spiele kontrolliert, wie man Räume findet, wie man immer die richtige Entscheidung trifft. Für Portugal ist er der Kleber, der alles zusammenhält, der Spieler, der den Ball will, wenn es schwierig wird.
Gruppe K: Portugal gegen Kolumbien, Usbekistan und DR Kongo
Portugal wurde in Gruppe K gelost, eine Gruppe mit einem starken Gegner und zwei Außenseitern. Kolumbien wird der härteste Test, ein südamerikanisches Team auf dem Höhepunkt eines Wiederaufbaus. Usbekistan und die Demokratische Republik Kongo sollten keine unüberwindbaren Hürden darstellen, auch wenn Respekt vor jedem Gegner geboten ist. Für die Seleção ist die Gruppenphase die Gelegenheit, Selbstvertrauen aufzubauen, die neue Hierarchie zu festigen und Rhythmus zu finden.
Kolumbien ist der Gegner, der Respekt verdient, der Gegner, der einen echten Test darstellt. Die Cafeteros haben unter Néstor Lorenzo eine Renaissance erlebt, eine Rückkehr zu der Spielfreude, die Kolumbien in den 1990ern auszeichnete. Luis Díaz von Liverpool ist einer der besten Flügelspieler der Welt, James Rodríguez hat seine Karriere wiederbelebt, Jhon Durán von Aston Villa bringt jugendliche Torgefahr. Bei der Copa América 2024 erreichten sie das Finale, nur Argentinien war stärker. Für Portugal ist dieses Spiel der erste echte Test der WM – ein Sieg würde eine Botschaft senden, würde zeigen, dass diese Mannschaft bereit ist.
Usbekistan ist ein WM-Debütant mit einer interessanten Geschichte, eine Nation, die noch nie auf der größten Bühne stand. Die zentralasiatische Nation hat sich über die asiatische Qualifikation durchgesetzt und bringt eine disziplinierte, gut organisierte Mannschaft mit. Sie werden tief stehen, auf Konter lauern, versuchen, das Spiel eng zu halten. Für Portugal ist es ein Pflichtspiel, das gewonnen werden muss – ein Stolperstein, der den gesamten Turnierplan durcheinanderbringen könnte.
Die Demokratische Republik Kongo ist der dritte Gegner, ein Team mit athletischen Spielern und individuellen Talenten, aber ohne die kollektive Qualität der europäischen Topnationen. Spieler wie Chancel Mbemba und Yoane Wissa bringen Erfahrung aus europäischen Ligen, aber das Gesamtniveau reicht nicht an Portugal heran. Portugal sollte beide Spiele gegen die Außenseiter klar gewinnen, mit Torverhältnissen, die für die K.o.-Runde wichtig sein könnten.
Wie weit kann Portugal kommen?
Portugal hat das Talent für einen tiefen Turnierlauf, die Spieler, um bis ins Halbfinale oder sogar Finale zu kommen. Aber die Frage bleibt, die Frage, die niemand mit Sicherheit beantworten kann: Kann diese Mannschaft die großen Favoriten schlagen? Bei der EM 2024 scheiterte Portugal im Viertelfinale an Frankreich, 0:0 nach 120 Minuten, dann verloren im Elfmeterschießen. Es war ein Spiel, das die Grenzen zeigte – gegen absolute Weltklasse fehlte der letzte Schritt, die letzte Überzeugung, die letzten fünf Prozent, die den Unterschied machen.
Die Turnierbilanz ist gemischt. Der EM-Titel 2016 war der größte Erfolg, ein Triumph, der ohne Ronaldos verletzungsbedingtes Ausscheiden im Finale vielleicht nicht möglich gewesen wäre – das Team kämpfte füreinander wie nie zuvor. Die Nations League 2019 war ein weiterer Titel, aber bei Weltmeisterschaften blieb der große Wurf aus. Das Halbfinale 2006 bleibt der beste WM-Auftritt, seitdem gab es frühe Niederlagen, die schmerzhaft waren.
Meine Einschätzung: Portugal erreicht das Viertelfinale, vielleicht das Halbfinale bei günstigem Turnierverlauf. Der Titel ist möglich, aber die Konkurrenz ist zu stark für eine echte Favoritenrolle. Eine Quote von 13.00 auf Portugal als Weltmeister bietet Value für Optimisten, die an die neue Generation glauben, die glauben, dass diese Mannschaft ohne Ronaldos Schatten freier spielen kann. „Portugal erreicht das Halbfinale“ zu 4.50 ist interessanter, realistischer – das Team hat die Qualität für die letzten Vier, wenn die Auslosung mitspielt. Alle WM-Teams und ihre Chancen findest du im Teamüberblick zur WM 2026.
